Pfarrei Wallerdorf

Wer von Osterhofen Richtung Aldersbach unterwegs ist, sieht bereits von Weitem die leuchtend-gelbe, neugotische Herz-Jesu-Kirche von Wallerdorf mit ihrem markanten, spitzen Turm. Am 20. August 1904 Konsekration (Weihe) der Kirche und des Hochaltares durch Bischof Antonius von Henle. Die Kirche blieb zunächst für die kommenden Jahre eine Expositur-Kirche von Künzing. Im April 1915 erbat der damalige Expositus, Pfarrer und Geistlicher Rat Georg Berger zusammen mit Mitgliedern des Pfarrgemeinderates Wallerdorf um die Erhebung zu einer eigenständigen Pfarrei. Am 21. März 1916 wurde die kuratellamtliche Genehmigung erteilt, die königliche Genehmigung der Pfarrei-Errichtung erfolgte am 23. Juni 1916 in München durch den Prinzregenten Luitpold.

Sie umfasst von Anbeginn neben Wallerdorf die Ortschaften Zeitlarn, Obern- und Unternberg, Kohlstatt, Weidenbach, Inkam, Dulling, Ebering und  Lindafeld.  

Fleiß, Zusammenhalt  und nicht zuletzt ein unerschütterlicher christlicher Glaube ging dem Bau des Gotteshauses voraus.

Kirche von Wallerdorf (Geschichte)

Die kirchliche Geschichte Wallerdorfs reicht zurück bis ins 10. Jahrhundert. Am 11. April 1864 stiftete der Landwirt Sebastian Bauer von Wallerdorf testamentarisch 1000 Gulden für den Benefiziumsstiftungsfond Zeitlarn, dessen Verwaltung die Pfarrei Künzing innehatte. Dieses Geld sollte den Grundstock für den späteren Bau bilden. Doch erst 1898 regte Seminarpräfekt Georg Berger von Passau aus die Errichtung einer Kirche mit Friedhof an. Dieses Unterfangen fand in der Bevölkerung aber nicht nur Fürsprecher: Die meisten Familien hatten ihre Grabstätten in Künzing, die Entfernung aus manchen Orten nach Wallerdorf oder Künzing war für sie in etwa gleich. Und nicht zuletzt sorgten sich viele um die Finanzierung dieses enormen Projektes.  Ortsansässige befürworteten wiederum den Bau, nicht zuletzt wegen der seit dem Jahr 1829 bestehenden Schule in Wallerdorf. Im Januar 1899 wurde ein Bittgesuch an den Bischof von Passau und an das königliche Bezirksamt Vilshofen eingereicht mit dem Gesuch einer Genehmigung für den Bau einer Expositur in Wallerdorf. Finanzielle Unterstützung wurde daraufhin von der Kirchenstiftung Zeitlarn in Aussicht gestellt. Der bekannte Münchner Architekt Johann Schott, der in den Diözesen Passau, Regensburg, München-Freising und Bamberg mit dem Bau von Kirchen, Pfarrhöfen, Friedhofsanlangen und Schulen über Jahrzehnte seine Spuren hinterlassen hat, wurde mit der Planung des neuen Gotteshauses beauftragt. Am 5. September 1900 stellen Ludwig und Kreszenz Geiger aus Wallerdorf einen Grund zur Errichtung der Kirche, eines Friedhofes und eines Expositurhauses mit Garten zur Verfügung. Im Gegenzug erhielten sie dafür unentgeltlich gleich viel Grund an einer anderen Stelle von Gastwirt Josef Thalhauser.  So konnte am 15. September 1900 der Spatenstich erfolgen. Obwohl der Rohbau schon im vollen Gange war, erfolgte die offizielle Grundsteinlegung durch Dekan und Pfarrer BGR Franz Xaver Hartl aus Isarhofen erst am 14. November 1901. Als großes Ereignis wurde am 21. Dezember 1901 das Eintreffen der drei Glocken aus Landshut gefeiert, die noch am selben Tag durch Dekan und Pfarrer BGR Franz Xaver Hartl geweiht wurden und am darauffolgenden Tag zum ersten Mal erklangen.

 

Im Zentrum des Hauptaltares thront eine Figur des Herz Jesu, des Namensgebers der Kirche.  

Die beiden Seitenaltäre zeigen die „Geburt Christi“ und „Verborgenes Leben in Nazareth“. Durch ihren Baustil in der sogenannten „Steckerlgotik“ wirken sie filigran und leicht. So wie das gesamte Gotteshaus durch seine Bauweise und den harmonisch aufeinander abgestimmten Farben Ruhe und Wärme ausstrahlt. Bereits vor Baubeginn konnte der Kreuzweg, finanziert von einer Spende des Seminarpräfekten Bernhard Hauth, bei den Kunstmalern Lessig und Ranzinger in München in Auftrag gegeben werden. Zur rechten Seite des hinteren Haupteinganges ist die Szene am Ölberg dargestellt, gegenüber eine Seelengruppe. Beide Skulpturen entstanden nach Plänen von Schott, verwirklicht von Bildhauer Johann Huber aus München. Ein ganz besonderes Glanzstück sind die kunstvollen bunten Glasfenster, welche  die zwölf Apostel zeigen. Sind sie bereits am Tag eine Augenweide,  entfalten sie ihre prächtige Schönheit besonders von außen bei Nacht, wenn das Innere der Kirche erleuchtet ist. Nach einjähriger Renovierung wurde zum 100-jährigen Bestehen des Gotteshauses im September 2002 ein neuer Altar des Künstlers Alois Manfred Demlehner durch den damaligen Altbischof Franz Xaver Eder geweiht. Dort eingelassen befinden sich Reliquien des Apostels Jokobus d. Ä., überlassen vom Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn,  und vom Heiligen St. Leonhard, eine Gabe aus dem Vatikan. Beide Heilige sind die Namenspatrone der Zeitlarner Filialkirche.

(Text: Siglinde Brumm)