St. Laurentius - Künzing

Das Christentum kam wohl durch römische Legionäre und Kaufleute in unsere Gegend, hatte aber noch keine große Verbreitung. Um die Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert kam es unter Kaiser Diokletian (303/304) zur letzten Christenverfolgung im römischen Reich. Mit dem Mailänder Toleranzedikt (313) unter Kaiser Konstantin trat ein Wechsel in der Religionspolitik der Römer ein und führte zum Aufblühen der Kirche. Nach dem Ende der weltlichen Macht Roms tritt in der Völkerwanderungszeit SEVERIN (seit 467 n. Chr.) als ungewöhnlicher Führer auch in Künzing in Erscheinung. Sein Schüler und Biograph Eugippius zeichnet eine ideale Künzinger Christengemeinde mit einem hochentwickelten Frömmigkeitsleben mit Gebetszeiten, Heiligen- und Reliquienkult. Ein Priester SILVINUS wird genannt, ein weiterer Priester, ein Diakon und zwei Pförtner sowie eine Nonne. Weiter wird die auf Pfählen errichtete Kirche in Künzing erwähnt, die häufig überschwemmt worden war und durch Severin künftig davor bewahrt wurde. Ein weiteres Zeichen für die Kontinuität für den Standort der Kirche ist der Bestattungsplatz: „Den zur spätantiken/frühmittelalterlichen romanischen Siedlung gehörigen Bestattungsplatz kann man lokalisieren: Zwei im Bereich der östlichen Friedhofsmauer des heute noch von der Gemeinde genutzten Friedhofs um die Laurentiuskirche entdeckte Gräber des 6. Jahrhundert gehören … zu einem umfangreicheren Gräberfeld dieser Zeit, das sich wohl mit der Fläche des heutigen Friedhofes deckte.“


Die Barockisierung der Pfarrkirche und die Erweiterung des Altarraumes (Chores)

Die umfassende Baumaßnahme der Barockisierung der Pfarrkirche Künzing geschah 1759-1760 unter dem bedeutendsten Pfarrer und langjährigen Dekan in Künzing Johann Georg Klöpfer. Noch 1742 steht der TURM der Kirche an der Südseite der Kirche etwa an der Stelle des heutigen Priestergrabes. An der Westseite der Kirche ist eine größere Türe in der Mitte zu sehen, wohl der KIRCHENEINGANG; rechts davon eine kleinere Türe, möglicherweise der Zugang zu Orgel und Sängerempore, die demnach nicht vom Kirchenschiff aus zugänglich waren. Wahrscheinlich bestand auf der Nordseite der Kirche (beim heutigen Ölberg) ein noch älterer Zugang; das gotische Steinportal wurde erst bei der Renovierung 2002 wieder freigelegt und steckt tief in der Erde – wohl, weil der Kirchenfußboden tiefer gelegen war. Der alte Turm an der Südseite der Kirche wurde abgebrochen, an seiner Stelle wurde an der westlichen Stirnseite der Kirche der Turm mit integrierter Eingangshalle von Felix Hirschstätter geplant und errichtet. Bald nach der Erbauung des Turmes bekam die Kirche die Glocke LAURENTIUS – GEORG – JOSEF – FRANZ XAVER, gegossen von Jacomini, Passau, im Jahr 1764. Wohl um Kirchenbänke für die Kinder zu schaffen, wurde 1907 der Chorraum der Kirche nach dem Plan des Architekten Michael Kurz nach Osten erweitert; der Abbildung nach waren dies einfache Sitzbänke ohne Kniemöglichkeit und ohne Rückenlehne. Der Fußboden der Kirche war wegen der Winterkälte mit Brettern ausgelegt.

(Text: BGR Otto Egger, Pfr. i. R. )

 

Spätromanische Basilika

 


 

St. Michael Kirche Forsthart

Wohl nahe der Stelle der heutigen Kirche wurde 1685 eine kleine Kapelle von einem „Ehr- und Dugendreichen Herrn Michael Raepiller, kurfürstl. Forstüberreiter zu Ingkamp“ errichtet.

Ob der Stifter der Kapelle wie die Sage berichtet auf der Flucht vor einer Wildsau sich auf einen Baum retten konnte und als Dank für seine Rettung eine Kapelle errichten ließ, lässt sich nicht nachprüfen. Diese Kapelle hatte keinerlei öffentliche Bedeutung und diente lediglich privater Andacht.

Erst um 1777/79 erfolgte die Besiedlung durch entlassene Soldaten, denen als Rentenersatz Siedlungsgrundstücke im Staatswald angeboten wurden. Nach dem 1. Weltkrieg (1918) wurde wohl anstelle der schon verfallenen Kapelle eine Kriegerdenkmalkapelle errichtet, die dem Hl. Michael geweiht war. Sie diente schon als Schulkapelle für den aus Galgweis kommenden Kooperator, an den Tagen, da er Religionsunterricht in der Forstharter Schule erteilte. Am 1. Januar 1927 wurde der Kooperator von Galgweis, Otto Kreiller, der erste Expositus von Forsthart. Die schon immer unzulängliche Schulkapelle machte schließlich den Kirchenbau 1963/64 nötig, der unter Expositus Josef Stockinger (1942-1989) durchgeführt und durch die Konsekration durch Weihbischof Antonius Hofmann am 24. Oktober 1964 gekrönt wurde.


 Herz Jesu Kirche Wallerdorf

Wer von Osterhofen Richtung Aldersbach unterwegs ist, sieht bereits von Weitem die leuchtend-gelbe, neugotische Herz-Jesu-Kirche von Wallerdorf mit ihrem markanten, spitzen Turm. Am 20. August 1904 Konsekration (Weihe) der Kirche und des Hochaltares durch Bischof Antonius von Henle. Die Kirche blieb zunächst für die kommenden Jahre eine Expositur-Kirche von Künzing. Im April 1915 erbat der damalige Expositus, Pfarrer und Geistlicher Rat Georg Berger zusammen mit Mitgliedern des Pfarrgemeinderates Wallerdorf um die Erhebung zu einer eigenständigen Pfarrei. Am 21. März 1916 wurde die kuratellamtliche Genehmigung erteilt, die königliche Genehmigung der Pfarrei-Errichtung erfolgte am 23. Juni 1916 in München durch den Prinzregenten Luitpold.

Sie umfasst von Anbeginn neben Wallerdorf die Ortschaften Zeitlarn, Obern- und Unternberg, Kohlstatt, Weidenbach, Inkam, Dulling, Ebering und  Lindafeld.  

Fleiß, Zusammenhalt  und nicht zuletzt ein unerschütterlicher christlicher Glaube ging dem Bau des Gotteshauses voraus.


Kirche von Wallerdorf (Geschichte)

Die kirchliche Geschichte Wallerdorfs reicht zurück bis ins 10. Jahrhundert. Am 11. April 1864 stiftete der Landwirt Sebastian Bauer von Wallerdorf testamentarisch 1000 Gulden für den Benefiziumsstiftungsfond Zeitlarn, dessen Verwaltung die Pfarrei Künzing innehatte. Dieses Geld sollte den Grundstock für den späteren Bau bilden. Doch erst 1898 regte Seminarpräfekt Georg Berger von Passau aus die Errichtung einer Kirche mit Friedhof an. Dieses Unterfangen fand in der Bevölkerung aber nicht nur Fürsprecher: Die meisten Familien hatten ihre Grabstätten in Künzing, die Entfernung aus manchen Orten nach Wallerdorf oder Künzing war für sie in etwa gleich. Und nicht zuletzt sorgten sich viele um die Finanzierung dieses enormen Projektes.  Ortsansässige befürworteten wiederum den Bau, nicht zuletzt wegen der seit dem Jahr 1829 bestehenden Schule in Wallerdorf. Im Januar 1899 wurde ein Bittgesuch an den Bischof von Passau und an das königliche Bezirksamt Vilshofen eingereicht mit dem Gesuch einer Genehmigung für den Bau einer Expositur in Wallerdorf. Finanzielle Unterstützung wurde daraufhin von der Kirchenstiftung Zeitlarn in Aussicht gestellt. Der bekannte Münchner Architekt Johann Schott, der in den Diözesen Passau, Regensburg, München-Freising und Bamberg mit dem Bau von Kirchen, Pfarrhöfen, Friedhofsanlangen und Schulen über Jahrzehnte seine Spuren hinterlassen hat, wurde mit der Planung des neuen Gotteshauses beauftragt. Am 5. September 1900 stellen Ludwig und Kreszenz Geiger aus Wallerdorf einen Grund zur Errichtung der Kirche, eines Friedhofes und eines Expositurhauses mit Garten zur Verfügung. Im Gegenzug erhielten sie dafür unentgeltlich gleich viel Grund an einer anderen Stelle von Gastwirt Josef Thalhauser.  So konnte am 15. September 1900 der Spatenstich erfolgen. Obwohl der Rohbau schon im vollen Gange war, erfolgte die offizielle Grundsteinlegung durch Dekan und Pfarrer BGR Franz Xaver Hartl aus Isarhofen erst am 14. November 1901. Als großes Ereignis wurde am 21. Dezember 1901 das Eintreffen der drei Glocken aus Landshut gefeiert, die noch am selben Tag durch Dekan und Pfarrer BGR Franz Xaver Hartl geweiht wurden und am darauffolgenden Tag zum ersten Mal erklangen.

 

Im Zentrum des Hauptaltares thront eine Figur des Herz Jesu, des Namensgebers der Kirche.  

Die beiden Seitenaltäre zeigen die „Geburt Christi“ und „Verborgenes Leben in Nazareth“. Durch ihren Baustil in der sogenannten „Steckerlgotik“ wirken sie filigran und leicht. So wie das gesamte Gotteshaus durch seine Bauweise und den harmonisch aufeinander abgestimmten Farben Ruhe und Wärme ausstrahlt. Bereits vor Baubeginn konnte der Kreuzweg, finanziert von einer Spende des Seminarpräfekten Bernhard Hauth, bei den Kunstmalern Lessig und Ranzinger in München in Auftrag gegeben werden. Zur rechten Seite des hinteren Haupteinganges ist die Szene am Ölberg dargestellt, gegenüber eine Seelengruppe. Beide Skulpturen entstanden nach Plänen von Schott, verwirklicht von Bildhauer Johann Huber aus München. Ein ganz besonderes Glanzstück sind die kunstvollen bunten Glasfenster, welche  die zwölf Apostel zeigen. Sind sie bereits am Tag eine Augenweide,  entfalten sie ihre prächtige Schönheit besonders von außen bei Nacht, wenn das Innere der Kirche erleuchtet ist. Nach einjähriger Renovierung wurde zum 100-jährigen Bestehen des Gotteshauses im September 2002 ein neuer Altar des Künstlers Alois Manfred Demlehner durch den damaligen Altbischof Franz Xaver Eder geweiht. Dort eingelassen befinden sich Reliquien des Apostels Jokobus d. Ä., überlassen vom Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn,  und vom Heiligen St. Leonhard, eine Gabe aus dem Vatikan. Beide Heilige sind die Namenspatrone der Zeitlarner Filialkirche.

(Text: Siglinde Brumm)

Herz Jesu Kirche