Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes

 

Wie schwer tun wir uns doch mit dem Heiligen Geist!

Gott, den Vater können wir uns vorstellen: ein Vater eben! Und so zeigt ihn uns die Kunst in ihren Darstellungen: alt, mit einem langen Bart als Zeichen der Weisheit. Und weil er der Schöpfer ist, hat er die Weltkugel in der Hand.

Beim Sohn fällt es uns leicht: er ist nicht nur Gott, sondern zugleich auch wahrer Mensch! Wir kennen seine Lebensgeschichte in Bildern und Figuren, sozusagen von der Wiege bis zur Bahre, von der Krippe bis zum Kreuz.

Und der Heilige Geist?

Wie malt oder schnitzt man einen Sturmwind oder ein sanftes Säuseln (beides Bilder, welche die Bibel für ihn benutzt)?

Wir erkennen den Geist nur in seinen Wirkungen! Da ist er einer uns sehr ver-trauten irdischen Kraft nicht ganz unähnlich: dem elektrischen Strom!

Man sieht ihn nicht, man riecht ihn nicht, aber seine Wirkung messen, spüren und erfahren wir! Und der Strom hat eine gewaltige Wirkung!

Die Welt stünde buchstäblich still, fiele der Strom gänzlich aus! Finster wäre es wieder, keine Motoren bewegten sich mehr, keine Lebensmittel könnten auf-bewahrt werden, keine Medien, wie Handy, Internet, Fernseher, Radio etc., würden mehr funktionieren. Garagentore gingen nicht mehr auf, und Aufzuge blieben stecken, Ampeln regelten keinen Verkehr mehr, und das Fräulein im Supermarkt könnte nicht mehr kassieren, weil die Scannerkasse nicht mehr rechnet! Alles stünde still!

Ein besseres Bild für den Geist Gottes und sein Wirken gibt es, glaube ich nicht!

Alles stünde still in unserem Denken, Fühlen und Handeln! Es gäbe keine Er-kenntnis und keine Besserung mehr für den Menschen! Die Sakramente hörten auf, ihre göttliche Wirkung zu zeigen, der Mensch würde in die Finsternis und die ewige Dunkelheit des Uranfanges zurückstürzen, wie einst die Titanen der Griechischen Sagenwelt in den Tartaros, die tiefste Unterwelt!

Finsterste Nacht würde es werden in den Herzen und Seelen der Menschen!

Ja, der Heilige Geist, er ist der „Strom“, er ist die Energie Gottes, welche unsere Rettung und Erlösung weiterführt! Er ist die alles verändernde Urmacht, die schon am Anfang der Zeit durch sein göttliches Licht in das „Tohowabohu“, hinein in „Irrsal und Wirrsal“ (Vgl. Bibelübersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig) überhaupt erst die Grundlage für das Leben schaffte! Er ist die Kraft, welche „die Maschine Welt“ mit allen ihren Schönheiten und allen ihren Wundern, ja mit dem Leben selbst in Gang bringt und weiter am Laufen hält!

Er allein ist „der Herr, der lebendig macht“, wie wir es im Großen Glaubensbe-kenntnis ausdrücken.

Uns wie sehr braucht unsere Welt, braucht unsere Kirche, braucht ein jeder ein-zelne diese Kraft, dem Leben zu trauen – gerade auch in diesen schweren und harten Tagen!

 

Komm, Heiliger Geist,
erfülle die Herzen deiner Gläubigen
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Sende aus deinen Geist, und alles wird neu geschaffen.
Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern.

Gott, du hast die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gelehrt. Gib, dass wir in diesem Geist erkennen, was recht ist, und allzeit seinen Trost und seine Hilfe erfahren.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Amen.

 

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Die biblische Pfingsterzählung

"Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab." (Apg 2,1-4)

 

Drei Aspekte zum Kirchengeburtstag

Regina Polak legt die Schrifttexte vom Hochfest Pfingsten aus:

Wie kann man inmitten einer Lebenskrise Geburtstag feiern? Zu Pfingsten, anlässlich des Geburtstagsfestes der Kirche, und inmitten einer schweren Kirchenkrise stellt sich diese Frage in besonderer Weise.

 

Drei Aspekte möchte ich aus den Schriftstellen zum Pfingstsonntag herausgreifen:

  • Furchtsamer Rückzug ist keine Lösung. Die Jünger haben sich aus Angst vor Verfolgung versteckt. Aber dieser Weg führt nicht in die Zukunft. Er führt zur Stagnation. Niemand lernt etwas dazu – Veränderung wird unmöglich, wenn man in der Enge bleibt.
  • Aus eigener Kraft ist keine Krise zu lösen. Jesus kommt zu den Jüngern und schenkt ihnen seinen Geist. Der Geist ist es, der wieder lebendig machen kann. Der Geist – das ist: Beziehung, Vertrauen, Liebe zu Gott. In Krisenzeiten sind Beziehungen daher nicht abzubrechen, sondern zu intensivieren: zu den Menschen, auch zu den Kritikern, zu Gott in Christus.
  • Der Geist lehrt uns, in fremden Sprachen sprechen zu lernen. Das ist heute die größte Herausforderung: Die Sprache der Anderen verstehen und sprechen lernen. Unsere eigene Botschaft in Wort und Tat im Horizont der Anderen leben. So „geschieht" Kirche – und kann eine neue Form bekommen.

Wenn wir uns daran erinnern, wird der Kirchengeburtstag nicht nur zu einer sehnsüchtigen Rückschau, sondern kann zum Aufbruch in die Zukunft ermutigen.


 

Die 7 Gaben des Heiligen Geistes:

Weisheit

Einsicht

Rat

Erkenntnis

Stärke

Frömmigkeit

Gottesfurcht

 

Die 12 Früchte des Heiligen Geistes:

Liebe

Freude

Friedens

Geduld

Freundlichkeit

Güte

Langmut

Sanftmuts

Treue

Bescheidenheit

Enthaltsamkeit und Keuschheit.