St. Laurentius - Künzing

Das Christentum kam wohl durch römische Legionäre und Kaufleute in unsere Gegend, hatte aber noch keine große Verbreitung. Um die Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert kam es unter Kaiser Diokletian (303/304) zur letzten Christenverfolgung im römischen Reich. Mit dem Mailänder Toleranzedikt (313) unter Kaiser Konstantin trat ein Wechsel in der Religionspolitik der Römer ein und führte zum Aufblühen der Kirche. Nach dem Ende der weltlichen Macht Roms tritt in der Völkerwanderungszeit SEVERIN (seit 467 n. Chr.) als ungewöhnlicher Führer auch in Künzing in Erscheinung. Sein Schüler und Biograph Eugippius zeichnet eine ideale Künzinger Christengemeinde mit einem hochentwickelten Frömmigkeitsleben mit Gebetszeiten, Heiligen- und Reliquienkult. Ein Priester SILVINUS wird genannt, ein weiterer Priester, ein Diakon und zwei Pförtner sowie eine Nonne. Weiter wird die auf Pfählen errichtete Kirche in Künzing erwähnt, die häufig überschwemmt worden war und durch Severin künftig davor bewahrt wurde. Ein weiteres Zeichen für die Kontinuität für den Standort der Kirche ist der Bestattungsplatz: „Den zur spätantiken/frühmittelalterlichen romanischen Siedlung gehörigen Bestattungsplatz kann man lokalisieren: Zwei im Bereich der östlichen Friedhofsmauer des heute noch von der Gemeinde genutzten Friedhofs um die Laurentiuskirche entdeckte Gräber des 6. Jahrhundert gehören … zu einem umfangreicheren Gräberfeld dieser Zeit, das sich wohl mit der Fläche des heutigen Friedhofes deckte.“

Kirche von Künzing (Geschichte)

Bei der Künzinger Kirche handelt es sich um eine „Spätantike Kirche“. Sie galt im 9. Jahrhundert als Eigenkirche des Klosters Niederaltaich und wurde später zum klösterlichen Pfarrvikariat. Die Kirche entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Nach der Säkularisierung 1803 erhielt Künzing die staatliche Organisation als Pfarrei. Künzing dürfte im frühen 13. Jahrhundert ein klösterliches, aber von Weltpriestern betreutes Pfarrvikariat geworden sein. Am Ende der Klosterzeit 1803 gehörten neben zahlreichen Weilern und Einöden dazu die Dörfer Bruck, Inkam, Langkünzing, Girching, Kohlstatt, Langburg, Maging, Obernberg, Thannberg, Wallerdorf und Zeitlarn, mit zwei Nebenkirchen in Obernberg und Zeitlarn sowie eine bedeutenden Kapelle im Pfarrdorf. Die ehemals am Ortseingang von Künzing stehende Kapelle wurde im Volksmund Ammerkapelle genannt und gehörte zum Ammerhof, dem ehemaligen niederaltaichischen Amtshof. Dem erhaltenen Altarblatt zufolge war sie den 14 Nothelfern geweiht. 1947 wurde sie im Zuge des Straßenbaus der B8 abgebrochen. Diese Kapelle erbaute der Amtmann Dionysius Crenninger zu Künzing, die 14 Nothelferbilder befinden sich heute in der Pfarrkirche.

Die Barockisierung der Pfarrkirche und die Erweiterung des Altarraumes (Chores)

Die umfassende Baumaßnahme der Barockisierung der Pfarrkirche Künzing geschah 1759-1760 unter dem bedeutendsten Pfarrer und langjährigen Dekan in Künzing Johann Georg Klöpfer. Noch 1742 steht der TURM der Kirche an der Südseite der Kirche etwa an der Stelle des heutigen Priestergrabes. An der Westseite der Kirche ist eine größere Türe in der Mitte zu sehen, wohl der KIRCHENEINGANG; rechts davon eine kleinere Türe, möglicherweise der Zugang zu Orgel und Sängerempore, die demnach nicht vom Kirchenschiff aus zugänglich waren. Wahrscheinlich bestand auf der Nordseite der Kirche (beim heutigen Ölberg) ein noch älterer Zugang; das gotische Steinportal wurde erst bei der Renovierung 2002 wieder freigelegt und steckt tief in der Erde – wohl, weil der Kirchenfußboden tiefer gelegen war. Der alte Turm an der Südseite der Kirche wurde abgebrochen, an seiner Stelle wurde an der westlichen Stirnseite der Kirche der Turm mit integrierter Eingangshalle von Felix Hirschstätter geplant und errichtet. Bald nach der Erbauung des Turmes bekam die Kirche die Glocke LAURENTIUS – GEORG – JOSEF – FRANZ XAVER, gegossen von Jacomini, Passau, im Jahr 1764. Wohl um Kirchenbänke für die Kinder zu schaffen, wurde 1907 der Chorraum der Kirche nach dem Plan des Architekten Michael Kurz nach Osten erweitert; der Abbildung nach waren dies einfache Sitzbänke ohne Kniemöglichkeit und ohne Rückenlehne. Der Fußboden der Kirche war wegen der Winterkälte mit Brettern ausgelegt.

(Text: BGR Otto Egger, Pfr. i. R. )